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Frischer Wind im Rathaus für besseres Klima: Klimamanagerin züchtet Gemüse auf dem Balkon

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Klimamanagerin
Lina Lange
Telefon:0 33 62/79 51 65
Website:www.erkner.de/rathaus-und-buergerservice/klimaschutz
Foto von Lina Lange, Klimamanagerin, ErknerFoto von Lina Lange, Klimamanagerin, ErknerFoto von Lina Lange, Klimamanagerin, ErknerFoto von Lina Lange, Klimamanagerin, Erkner

Gefährliche Phenolblase?

Stand: Dezember 2022

Schwimmende Solarinseln auf dem Dämeritzsee? Wäre damit das Klima in Erkner zu verbessern?

Lina Lange wurde im April 2022 erste Klimamanagerin der Stadt. Sie kam direkt von der Uni, es ist ihre erste Anstellung. Lina Lange hat die Aufgabe, im Rahmen einer geförderten Stelle in zwei Jahren ein „Integriertes Klimakonzept“ zu erstellen. Anschließend entscheiden die Stadtverordneten, ob dieses komplett oder in Teilen verwirklicht wird. Dem vorangegangen war, dass Erkner 2022 den Wettbewerb „Kleinstädte klimafit machen“ gewonnen hat. Dieser wurde von „GoingVis“ ausgeschrieben. Dieses Projekt wiederum wird vom „Bundesministerium für Bildung und Forschung“ gefördert, das aktuell von der FDP-Politikerin Bettina Stark-Watzinger geleitet wird.
Lina Lange ist es ein Herzensanliegen, die Meinung der Erkneraner zu Wort kommen zu lassen. Deshalb verwirft sie den Gedanken von Solarstrominseln auf dem Dämeritzsee sofort wieder. Das würde kaum jemandem in der Stadt gefallen.

Besser leben im Klimawandel
Insgesamt geht es ihr um zwei Themenbereiche: Wie könnte Erkner klimafreundlicher werden? Wie sollten sich die Bewohner gleichzeitig auf die unabwendbaren Veränderungen einstellen? Gesucht ist also das Rezept fürs Wohlfühlen in einer wärmeren Ära.

Rote Karte für grünen Garten
Hier gibt es manche Überraschungen. Ausgerechnet der „Gemeinschaftsgarten“ als eine der beiden Ideen, mit denen Erkner den Preis gewonnen hatte, bekam in einer Umfrage statt grünem Zuspruch eine „rote Karte“. Es sollte ein Platz sein, wo jeder seinen „grünen Daumen“ beweisen kann.
Doch in Erkner haben viele bereits einen eigenen Garten und sind häufig damit schon überfordert. Die Bewohner der großen Mehrgeschosser hingegen setzen vielfach andere Prioritäten.

Gemüse vom Balkon
Dabei kann man, wie die in Adlershof beheimatete Geografin beweist, auf einem Sieben-Quadratmeter-Balkon einiges an Erträgen erwirtschaften. So ist sie stolz auf ihre Ernte an Tomaten, Erbsen, Möhren, Spinat und drei kleineren Kürbissen.
Obwohl die Ergebnisse ihrer Arbeit noch in relativ weiter Ferne liegen, hat die Anhängerin von Bewegungen wie „Fridays for Future“ im Zuge von Veranstaltungen, Bürgergesprächen und Umfragen schon ein Gefühl bekommen, was sich die Erkneraner wünschen: Demnach sind die Friedrichstraße und das Bahnhofsumfeld Brennpunkte.
Bei letzterem handele es sich um das frühere Gelände der „Bakelite GmbH“, die 1948 im „VEB Plasta Kunstharz- und Preßmassenfabrik Erkner“ aufging. Um den Kunststoff herzustellen, wurde Phenol benötigt, das man aus Steinkohle destillierte. Hinterlassenschaft sei heute eine immense mit Plastikfolien versiegelte Phenolblase unter dem Gelände, wo sich nun der Busbahnhof, der Einkaufsmarkt und die Stadthalle befinden. Das Grundwasser in diesem Gebiet muss ständig gereinigt werden. Die entsprechende Anlage ist durch die Tanks zu erkennen. Deshalb sieht Lina Lange hier keine Chance für die von vielen Bürgern gewünschte Begrünung.

Chancen und Hindernisse
Lina Lange will in Bürgerspaziergängen die Probleme vor Augen führen. Der erste brachte mit Thermografiekameras zum Vorschein, wo Häuser „undicht“ sind und somit teure Wärme verlieren. Allen Eigentümern bietet sie hier kostenlose Beratung und Unterstützung an. Dabei verweist sie auf derzeit viele Fördermöglichkeiten.
Insgesamt sieht sie Klimaschutz als Problem, das in Erkner kaum großflächig lösbar ist: So fehlen für Solarparks die Flächen. Man könne darüber nachdenken, an der Löcknitz eine riesige Wärmepumpe zu installieren. Das würde ihrer Ansicht nach dem Gewässer gut tun, weil es im Sommer ohnehin überhitzt. Doch hier sieht sie die Belange von Natur- und Trinkwasserschutz als Problem.

Grüne Buswartehäuschen?
Ideal fände sie, wenn die Bürger, Betriebe und Behörden möglichst viele Gebäude auf Wärmepumpenheizung umstellen könnten. Dies würde aber das Stromnetz über Maß belasten. Daher werde der Trend wohl zu vielen kleinen Maßnahmen gehen. So verweist sie auf ein begrüntes Buswartehäuschen. Ähnliche natürliche Beschattung sieht sie für die Friedrichstraße als Idee.
Susanne Branding als WGE-Chefin hat sich zu diesem Thema auch schon Gedanken gemacht. So könnten die Hausbewohner ebenfalls Gemüse auf dem Balkon ziehen. Allerdings, es zu essen, würde sich kaum empfehlen. Aufgrund der Abgase durch die Dauerstaus wäre dies wohl alles andere als „bio“.

Erstellt: 2022